Eine neue weltweite Umfrage zeigt, dass die öffentliche Unterstützung für internationale Zusammenarbeit nach mehreren Jahren des Rückgangs wieder zunimmt. Dem „Global Solidarity Report 2026“ von Global Nation zufolge ist die Unterstützung für globale Solidarität in den meisten der untersuchten Länder gestiegen, während die Ablehnung internationalistischer Aussagen insgesamt zurückgegangen ist.
Der Bericht basiert auf einer von Ipsos durchgeführten Umfrage unter mehr als 22.000 Erwachsenen in 31 Ländern. Global Nation misst die sogenannte globale öffentliche Solidarität anhand von drei Indikatoren: ob sich die Befragten eher als Bürgerin oder Bürger der Welt oder ihres Landes betrachten; ob sie zustimmen, dass ihre Steuern zur Lösung globaler Probleme eingesetzt werden sollten; und ob internationale Institutionen bei bestimmten Problemen – wie etwa der Umweltverschmutzung – das Recht haben sollten, Lösungen durchzusetzen.
Unter den 31 befragten Ländern stieg die Zustimmung bei allen drei Indikatoren in 24. Kein Land verzeichnete Rückgänge bei allen drei Indikatoren. Global Nation beschreibt die Ergebnisse als eine „überraschende und sehr deutliche Umkehr“ eines zuvor bestehenden Abwärtstrends.
Vier von zehn betrachten sich eher als Weltbürgerin oder Weltbürger
In Bezug auf die Weltbürgerschaft gaben vier von zehn Befragten an, sich eher als Weltbürgerin oder Weltbürger zu identifizieren statt als Bürgerin oder Bürger ihres Landes – ein Anstieg von etwa einem Drittel gegenüber 2025. Global Nation merkt in dem Bericht an, dass diese Haltung nicht unbedingt im Widerspruch zu Patriotismus stehe, da viele Befragte, die dieser Aussage zustimmen, sich gleichzeitig tatsächlich auch ihrem eigenen Land verbunden fühlen. Das Ergebnis deute vielmehr auf eine stärkere globale Identität hin, so die Autoren.

Was den finanziellen Beitrag angeht, gaben mehr als vier von zehn Befragten an, dass ihre Steuern zur Lösung globaler Probleme beitragen sollten, verglichen mit 2025 ein Plus von etwas mehr als einem Drittel. Der Bericht wertet diesen Aspekt als wichtigen Test, ob die Unterstützung für internationale Zusammenarbeit über eine allgemeine Zustimmung hinausgeht und die Bereitschaft einschließt, materiell zu gemeinsamen Maßnahmen beizutragen.
Die stärkste Zustimmung fand sich bei der Frage nach internationalen Durchsetzungsbefugnissen. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, dass internationale Institutionen das Recht haben sollten, Lösungen für bestimmte Probleme wie Umweltverschmutzung durchzusetzen – ein Anstieg von etwas mehr als der Hälfte gegenüber 2025. Nur etwa jeder zehnte Befragte lehnte diesen Vorschlag ab.
Fast zwei Drittel befürworten durchsetzbare internationale Lösungen
Die Ergebnisse stellen damit eine Umkehr gegenüber früheren Untersuchungen dar, die zwischen 2024 und 2025 einen Rückgang der Unterstützung für globale Solidarität vermeldeten. Die neuen Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass sich die öffentliche Stimmung nun möglicherweise wieder wandelt, da Konflikte, Handelsspannungen, wirtschaftliche Unsicherheit und Klimastörungen die globale gegenseitige Abhängigkeit immer sichtbarer machen.
Dieser Aufschwung zieht sich quer durch alle wichtigen demografischen Gruppen. Die Zustimmung stieg über alle Generationen, Einkommensgruppen und Bildungsniveaus hinweg an. Die Generation Z verzeichnete den größten Anstieg und überholte die Millennials als die internationalistischste Generation in der Umfrage. Auch die Babyboomer bewegten sich in dieselbe Richtung, was der Bericht als bemerkenswert hervorhebt, da die Einstellungen älterer Befragter in der Regel gefestigter sind.
Die Zustimmung stieg auch über alle Einkommensgruppen hinweg an. Haushalte mit hohem Einkommen verzeichneten den stärksten Anstieg, unter anderem bei der Frage nach der Verwendung von Steuergeldern zur Bewältigung globaler Probleme. Auch bei den Befragten mit niedrigem Einkommen gab es eine Verschiebung, wobei nun eine Mehrheit Durchsetzungsbefugnisse für internationale Institutionen befürwortet. Über alle Bildungsniveaus hinweg blieben hochgebildete Befragte insgesamt am internationalsten, doch stieg die Zustimmung auch bei denjenigen mit niedrigerem Bildungsniveau. In dieser Gruppe verschob sich die Zustimmung zu internationalen Durchsetzungsbefugnissen von einer überwiegenden Ablehnung im Jahr 2025 zu einer überwiegenden Zustimmung im Jahr 2026.
Global Nation kommt zu dem Schluss, dass sich die öffentliche Meinung möglicherweise gerade deshalb wieder dem Internationalismus zuwendet, weil die internationale Ordnung unter Druck steht. „Die Stimmung in der Öffentlichkeit verändert sich, und die Frage ist, ob die Internationalisten diese Chance nutzen können“, heißt es in dem Bericht.
Anfang dieses Jahres ergab zudem eine von Democracy Without Borders in Auftrag gegebene Umfrage in 101 Ländern, dass weltweit eine relative Mehrheit der Befragten die Einrichtung eines „von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Weltparlaments“ befürwortet, das sich mit globalen Herausforderungen befasst.