Überall auf der Welt wird die Demokratie zunehmend in Frage gestellt – nicht nur in Institutionen, sondern auch in der verwendeten Sprache. Autoritäre Führungen und populistische Bewegungen behaupten, den „wahren Willen des Volkes“ zu vertreten, während sie zugleich die Grundsätze untergraben, die demokratisches Regieren tragen. Infolgedessen missverstehen heute viele Bürgerinnen und Bürger, was Demokratie eigentlich bedeutet.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen Demokratie häufig mit Wahlen und Mehrheitsentscheidungen gleichsetzen, während zentrale liberale Grundsätze wie Gewaltenteilung, Minderheitenrechte und die Unabhängigkeit der Justiz vernachlässigt werden. Das ist wichtig. Denn wenn Demokratie nur auf Wahlen reduziert wird, ist es für illiberale Akteure leichter, demokratische Legitimität zu beanspruchen und zugleich die Substanz der Demokratie zu untergraben.
Gleichzeitig zeigt sich ein auffälliges globales Muster: Bürgerinnen und Bürger in autoritären Regimen glauben oft, in Demokratien zu leben, während diejenigen in etablierten Demokratien dazu neigen, die Qualität ihrer Systeme zu unterschätzen. Ein falsches Verständnis der Demokratie schwächt ihre Widerstandsfähigkeit – sowohl dort, wo sie fehlt, als auch dort, wo sie unter Druck steht.

Kann Online-Bildung helfen?
In einer aktuellen Studie haben wir untersucht, ob kurze Online-Videos zur politischen Bildung die demokratischen Einstellungen und das Demokratieverständnis stärken können. In einem groß angelegten Experiment in 33 Ländern mit mehr als 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden Personen nach dem Zufallsprinzip kurze animierte Videos gezeigt, in denen die wichtigsten demokratischen Grundsätze erklärt wurden – etwa bürgerliche Freiheiten, Grundrechte, Gewaltenteilung und die umfassenderen Vorteile demokratischer Systeme.
Die Ergebnisse sind ermutigend.
Schon ein einziges dreiminütiges Video erhöhte die Unterstützung für die Demokratie, verbesserte das Faktenwissen und verringerte die Akzeptanz autoritärer Alternativen. Diese Effekte waren nicht auf eine Region oder einen politischen Kontext beschränkt – sie traten sowohl in Demokratien als auch in Autokratien auf. Wichtig ist, dass die Wirkung bei jungen Menschen sowie bei Personen, die sich sonst wenig für Politik interessieren, besonders stark war.
Diese Ergebnisse stellen eine verbreitete Annahme infrage: dass wirksame politische Bildung langwierig, stark lokal angepasst und ressourcenintensiv sein muss. Stattdessen zeigen unsere Ergebnisse, dass kurze, skalierbare und gut konzipierte Online-Interventionen einen echten Unterschied machen können.
Warum funktionieren diese Interventionen?
Erstens holen sie Menschen dort ab, wo sie sich aufhalten. Ein großer Teil politischer Information findet heute online statt – auch in Räumen, die von Desinformation und polarisierenden Inhalten geprägt sind. Politische Bildung, die auf Klassenzimmer beschränkt bleibt, kann große Teile der Bevölkerung, insbesondere Erwachsene, nicht erreichen.
Zweitens: Kurze Videos sind zugänglich und ansprechend. Anstatt die Menschen mit komplexen Argumenten oder parteiischen Botschaften zu konfrontieren, bieten sie klare, nachvollziehbare Erklärungen demokratischer Prinzipien.
Drittens ermöglichen digitale Werkzeuge, Echokammern zu durchbrechen. Insbesondere bezahlte Social-Media-Kampagnen können gezielt Menschen erreichen, die sonst kaum mit pro-demokratischen Inhalten in Kontakt kommen – einschließlich solcher, die der Demokratie skeptisch gegenüberstehen.
Allerdings sind nicht alle Botschaften gleich wirksam. Unsere Forschung zeigt, dass Inhalte mit Fokus auf Rechte, Institutionen und Rechenschaftspflicht nachhaltiger wirken als solche, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit betonen. Zudem schneiden positive und hoffnungsvolle Narrative über Demokratie besser ab als angstbasierte Appelle.
Für Organisationen, die sich für die Stärkung der Demokratie einsetzen, sind die Implikationen klar.
Digitale politische Bildung ist kein Allheilmittel. Aber sie ist ein kosteneffizientes, skalierbares und evidenzbasiertes Instrument, das die umfassenderen Bemühungen zur Verteidigung und Erneuerung demokratischer Systeme ergänzen kann. Selbst kleine Organisationen können diese Instrumente nutzen – etwa durch gezielte Online-Inhalte, um die Bürger zu informieren, zu engagieren und zu mobilisieren.
Wenn die Demokratie Bestand haben soll, muss sie verstanden werden. Und in der heutigen Welt bedeutet das: Politische Bildung muss auch online stattfinden.