Trotz wachsendem Pessimismus über den Zustand der Welt unterstützen Menschen in 34 Ländern weiterhin die internationale Zusammenarbeit. Die Verhinderung von Kriegen und Konflikten gehört dabei zu den wichtigsten Prioritäten, wie aus einer neuen Umfrage der Rockefeller Foundation hervorgeht.
Die von Focaldata zwischen dem 21. Juli und dem 5. August unter 35.399 Menschen durchgeführte Umfrage ergab, dass 69 Prozent der Befragten der Ansicht sind, die Welt habe sich im vergangenen Jahr „verschlechtert“. Dennoch erklärten 57 Prozent, ihr Land solle mit anderen Staaten zusammenarbeiten, um globale Herausforderungen anzugehen, „selbst wenn dies bedeutet, bei einigen nationalen Interessen Kompromisse einzugehen“. Dieser Wert lag leicht über dem Ergebnis der Umfrage des Vorjahres von 55 Prozent.
44 Prozent der Befragten wählten die Verhinderung von Kriegen und Konflikten als eines der drei wichtigsten Themen aus, die Länder gemeinsam angehen sollten. In 21 der 34 untersuchten Länder stand dieses Thema an erster Stelle und in 33 Ländern gehörte es zu den beiden wichtigsten Prioritäten. In sechs Ländern zählte mehr als die Hälfte der Befragten die Verhinderung von Kriegen und Konflikten zu ihren wichtigsten Anliegen.
Verhinderung von Kriegen und Konflikten hat in zwei Dritteln der Länder oberste Priorität
Bei anderen Prioritäten zeigten sich größere Unterschiede zwischen wohlhabenderen Volkswirtschaften und Entwicklungsländern. Befragte in Entwicklungsländern maßen der Verhinderung von Kriegen und dem Aufbau einer gerechten globalen Wirtschafts- und Handelsordnung die gleiche Bedeutung bei. Sie priorisierten zudem häufiger humanitäre Hilfe nach Katastrophen und die Verringerung der weltweiten Armut. In wohlhabenderen Volkswirtschaften erhielt dagegen die Steuerung von Migration größere Aufmerksamkeit.
Bei Demokratie und Menschenrechten waren die Ansichten in beiden Gruppen weitgehend ähnlich. 24 Prozent der Befragten nannten sie als eine der drei wichtigsten Prioritäten, darunter 22 Prozent in wohlhabenderen Volkswirtschaften und 25 Prozent in Entwicklungsländern.

Die Umfrage fragte auch danach, wer die größte Verantwortung für die Bewältigung globaler Herausforderungen tragen sollte. Bei der Verhinderung von Kriegen und Konflikten, dem Klimawandel, dem Völkerrecht und der Regulierung neuer Technologien bevorzugten die Befragten Gruppen von Staaten, die gemeinsam handeln. Internationale Organisationen wurden dagegen häufiger als wichtigste Akteure bei der Verhinderung von Pandemien sowie bei der Verringerung von Kindersterblichkeit und Krankheiten in ärmeren Ländern angesehen.
Bei der Verhinderung von Kriegen und Konflikten nannten 45 Prozent der Befragten in wohlhabenderen Volkswirtschaften und 38 Prozent in Entwicklungsländern gemeinsam handelnde Staaten als die Akteure mit der größten Verantwortung. Nur etwa jede fünfte befragte Person entschied sich für die eigene nationale Regierung.
Die Umfrage der Rockefeller Foundation zeigt, dass die öffentliche Unterstützung für Zusammenarbeit trotz sinkenden Vertrauens in deren Wirksamkeit bestehen bleibt. Die Hälfte der Befragten gab an, dass die globale Zusammenarbeit derzeit wirksam sei, obwohl die Meinungen stark auseinander gingen. In Entwicklungsländern stimmten 63 Prozent zu, verglichen mit 39 Prozent in wohlhabenderen Volkswirtschaften.
Mehr Unterstützung, wenn globale Zusammenarbeit Ergebnisse liefern würde
Die Befragten gaben an, internationale Zusammenarbeit stärker zu unterstützen, wenn sie konkrete Ergebnisse erzielen würde. „Die Menschen wollen Belege dafür, dass Zusammenarbeit funktioniert: Rund 8 von 10 Befragten würden sie stärker unterstützen, wenn sie zeigen würde, dass sie Probleme im eigenen Land oder im Ausland lösen kann“, heißt es in der Studie.
Das Vertrauen in wichtige internationale Institutionen stieg im Vergleich zu 2025. Der Weltgesundheitsorganisation vertrauten 69 Prozent der Befragten, gefolgt von den Vereinten Nationen mit 62 Prozent. Im Vorjahr lagen die entsprechenden Werte bei 61 beziehungsweise 58 Prozent. Auch das Vertrauen in die Weltbank, die Welthandelsorganisation und den Internationalen Währungsfonds nahm zu.
Die Umfrage zeigt zugleich nur begrenzte öffentliche Unterstützung dafür, dass entweder die Vereinigten Staaten oder China eine führende Rolle in der Weltpolitik übernehmen. Nur 39 Prozent der Befragten befürworteten eine Führungsrolle der USA und 37 Prozent eine solche Chinas. Gleichzeitig unterstützten 61 Prozent eine Koalition von Staaten, die globale Herausforderungen ohne eine der beiden Mächte angeht.
Die Bewältigung von Kriegen und Konflikten, die in der Umfrage zu den wichtigsten Prioritäten zählt, steht auch mit Demokratie in Verbindung, wie der neue jährliche Global State of Democracy Report von International IDEA nahelegt. Die in dieser Woche veröffentlichte neueste Analyse hebt den Zusammenhang zwischen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Frieden hervor. Demnach stehen demokratischer Rückschritt und schwache demokratische Institutionen mit einem höheren Risiko gewaltsamer Konflikte in Verbindung. Der Bericht verweist zudem auf die „große empirische Erkenntnis“, dass „Demokratien nicht gegeneinander Krieg führen“, während Länder, die „weder vollständig autokratisch noch konsolidierte Demokratien“ sind, einem erhöhten Risiko sowohl innerstaatlicher als auch internationaler Konflikte ausgesetzt sind.
Die neuen Umfrageergebnisse ergänzen jüngste Hinweise auf eine öffentliche Unterstützung für eine stärkere globale Zusammenarbeit. Eine im Mai veröffentlichte Umfrage in 31 Ländern ergab eine wachsende Unterstützung für globale Solidarität, einschließlich der Befugnis internationaler Institutionen, Lösungen für gemeinsame Probleme durchzusetzen. Eine von Democracy Without Borders in Auftrag gegebene und im Januar veröffentlichte Umfrage in 101 Ländern ergab, dass 40 Prozent der Befragten ein „von Bürgerinnen und Bürgern gewähltes Weltparlament zur Behandlung globaler Fragen“ unterstützten, während 27 Prozent dagegen waren.
Democracy Without Borders hat kürzlich eine Bildungsbroschüre mit dem Titel Reimagining Global Cooperation veröffentlicht, in der gemeinsame globale Herausforderungen, die Grenzen des heutigen internationalen Systems und mögliche Wege zu deren Bewältigung untersucht werden, einschließlich einer langfristigen Vision zur Schaffung einer „globalen Verfassungsordnung“.