Laut einem Bericht des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC) stehen Arbeitnehmerrechte weltweit in vielen Ländern unter wachsendem Druck. Im Jahr 2025 nahmen Verletzungen der bürgerlichen Freiheiten sowie Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit und des gewerkschaftlichen Schutzes zu.
Der Global Rights Index 2026, die 13. Ausgabe der jährlichen Bewertung des ITUC, untersucht Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte und umfasst 151 Länder. Nach Angaben der Organisation zeigt der Bericht „die systematische Schwächung der Demokratie durch Angriffe auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Tarifverhandlungen“.
In diesem Jahr wurden die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Guinea-Bissau, Israel, Liberia, den Philippinen, Moldau und Simbabwe auf eine neue Beobachtungsliste („Watchlist“) gesetzt. Die Beobachtungsliste umfasst Länder, in denen es nach Angaben des Gewerkschaftsbundes zu einem messbaren Anstieg der Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte gekommen ist. Im Falle der USA nennt der Bericht Einschränkungen der Tarifverhandlungsrechte für Bundesbedienstete, die Lähmung der National Labor Relations Board (NLRB) sowie Maßnahmen der Einwanderungsbehörden, die Wanderarbeiter und Gewerkschaftsvertreter betreffen.
Sieben Länder auf neuer Beobachtungsliste
Die globalen Indikatoren des Berichts weisen auf zunehmende Einschränkungen grundlegender Freiheitsrechte hin. In 50 Prozent der Länder wurden Angriffe auf die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gemeldet – ein Rekordhoch für den Index und ein Anstieg gegenüber 45 Prozent im Jahr 2025. In 75 Ländern wurden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von den Behörden festgenommen oder inhaftiert, was ebenfalls einen neuen Höchststand darstellt. In 32 Prozent der Länder waren sie Gewalt ausgesetzt, verglichen mit 26 Prozent im Vorjahr. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurden in Angola, Kolumbien, Indonesien und Mexiko getötet.
Bei mehreren zentralen Arbeitnehmerrechten blieben die Verstöße auf oder nahe dem bisherigen Rekordniveau. Das Streikrecht wurde in 87 Prozent der Länder verletzt, unverändert gegenüber 2025 und 2024. Das Recht auf Tarifverhandlungen war in 80 Prozent der Länder eingeschränkt, während Arbeitnehmer und Arbeiternehmerinnen in 72 Prozent der Länder keinen oder nur eingeschränkten Zugang zur Justiz hatten. Die rechtliche Registrierung von Gewerkschaften wurde in 75 Prozent der Länder behindert – der höchste Wert seit Einführung des Index.
China und Indien, die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt, wurden beide in Kategorie 5 eingestuft, die im Index als „keine Gewährleistung der Rechte“ beschrieben wird.
Zu den zehn schlechtesten Ländern für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Jahr 2026 zählen laut Bericht Argentinien, Belarus, Ecuador, Ägypten, Eswatini, Myanmar, Nigeria, Panama, Tunesien und die Türkei. Argentinien und Panama wurden neu in diese Gruppe aufgenommen, nachdem ihre Bewertung von Kategorie 4 auf Kategorie 5 herabgestuft worden war. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmerrechte dort nicht mehr gewährleistet sind.
Insgesamt verschlechterten sich vier Länder und drei haben sich verbessert
Insgesamt verschlechterte sich die Bewertung von vier Ländern gegenüber dem Vorjahr: Albanien, Argentinien, Frankreich und Panama. Drei haben sich verbessert: Botswana, das Vereinigte Königreich und Uruguay. Der Nahe Osten und Nordafrika blieben mit einem Durchschnittswert von 4,68 die weltweit schlechteste Region. Der asiatisch-pazifische Raum belegte mit 4,08 unverändert den zweitletzten Platz. Afrika verbesserte sich leicht auf 3,91, allerdings betont der Bericht, dass die Bedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Gewerkschaften in den meisten Ländern des Kontinents weiterhin äußerst schwierig seien.
Europa blieb die am besten bewertete Region, verzeichnete jedoch mit 2,80 die schlechteste Durchschnittsbewertung seit Einführung des Index im Jahr 2014. Amerika verzeichnete mit 3,72 seine schlechteste Bewertung und blieb die tödlichste Region für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ihre Interessenvertretungen. In Amerika verschlechterte sich die Lage das dritte Jahr in Folge, während die Durchschnittsbewertung Europas das vierte Jahr in Folge sank.
Der ITUC ordnet seine Ergebnisse in einen größeren politischen Zusammenhang ein und spricht von einem „Milliardärsputsch gegen die Demokratie“. Die Organisation argumentiert, dass die Konzentration von Vermögen und politischer Macht Angriffe auf Arbeitnehmerrechte begünstige. Zwar seien „die Methoden unterschiedlich“, doch „diejenigen, die dahinterstehen, verfolgen ein gemeinsames Ziel: die Demokratie daran zu hindern, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Ergebnisse zu liefern“ – unter anderem durch die „Untergrabung multilateraler Organisationen“.
Der Bericht enthält keine systematische Untermauerung dieser Behauptung. Er konzentriert sich vor allem auf die Dokumentation konkreter Verstöße durch Regierungen und Arbeitgeber, darunter Einschränkungen des Streikrechts, der Tarifverhandlungen, der Registrierung von Gewerkschaften, der Grundfreiheiten sowie des Zugangs zur Justiz.
Ein kürzlich vom Internationalen Gerichtshof abgegebenes Gutachten stellt eine positive Entwicklung für die Arbeitnehmerrechte weltweit dar. Das Gericht bestätigte im vergangenen Monat, dass das Streikrecht durch das ILO-Übereinkommen Nr. 87 über die Vereinigungsfreiheit geschützt ist, ein Abkommen, das von 158 Ländern ratifiziert wurde. Zwar sind Gutachten des Internationalen Gerichtshofs rechtlich nicht bindend, sie haben jedoch erhebliches rechtliches Gewicht.


