Zwei neu veröffentlichte globale Risikobewertungen, eine von der Global Challenges Foundation (GCF) und die andere vom Weltwirtschaftsforum (WEF), weisen auf eine Erosion der internationalen Zusammenarbeit und zunehmende globale Unsicherheiten hin. Beide Berichte betonen eine komplexe Verflechtung globaler Risiken, die zu erhöhter Instabilität und Herausforderungen für Regierungen beiträgt. Nach Ansicht von Democracy Without Borders bestätigen sie die dringende Notwendigkeit eines neuen Modells der globalen Zusammenarbeit.
Systemische Erdrisiken und schwache Regierungsführung
Der GCF-Bericht 2026 warnt vor irreversiblen Kipppunkten in den Klima- und Ökosystemen der Erde. Er stellt fest, dass sieben von neun planetarischen Grenzen, die den “sicheren Handlungsspielraum” der Menschheit definieren, inzwischen überschritten wurden, zuletzt im Hinblick auf die Versauerung der Ozeane.
Der Bericht beschreibt außerdem fünf der größten Risiken, denen die Menschheit heute ausgesetzt ist: Klimawandel, Zusammenbruch der Artenvielfalt, Massenvernichtungswaffen, künstliche Intelligenz (KI) bei militärischen Entscheidungen und ein Asteroideneinschlag. Laut der Stiftung werden diese Risiken definiert als “ein mögliches Ereignis oder ein Prozess, der das Leben eines großen Teils der Menschheit auf mehreren Kontinenten bedrohen kann.”
Die steigenden Risiken werden auf ein Versagen der globalen Steuerungsmechanismen in diesen Bereichen zurückgeführt. “Unsere kollektive Fähigkeit, globale Katastrophenrisiken einzudämmen und sowohl die Menschen als auch den Planeten zu schützen, bleibt bestenfalls schwach, während das Vertrauen in das System und seine Legitimität schwindet”, heißt es in dem Dokument. Es wird betont, dass “mit den planetarischen Gemeingütern nicht verhandelt werden kann.” In dem Bericht heißt es: “Was wir jetzt brauchen, ist ein neuer Ansatz für die globale Governance. Einen, der das internationale Recht stärkt, gemeinsame Normen festigt und das Handeln beschleunigt, während gleichzeitig Kreativität, Innovation und Weitsicht gefördert werden.”
Der Bericht fordert unter anderem die Entwicklung eines rechtsverbindlichen internationalen Rahmens zur Regelung des Einsatzes von autonomen Waffentechnologien und beschreibt ein solches Abkommen als dringend notwendig, aber politisch schwierig.
Das Dokument unterstreicht die Notwendigkeit institutioneller Kreativität und nennt als Beispiel Mechanismen der Bürgerbeteiligung, wie sie unter anderem von den Partnern der Stiftung, der Iswe Foundation und Democracy Without Borders, verfolgt werden.
Starkes Gefühl der Unsicherheit
Die jährlich vom WEF vorgelegte Bewertung basiert auf einer Umfrage unter mehr als 1.300 Experten und zusätzlichen Konsultationen mit Wirtschaftskräften. Der Bericht bewertet die Risiken über drei Zeiträume: unmittelbar (2026), kurz- bis mittelfristig (bis 2028) und langfristig (bis 2036). Ungewissheit ist das zentrale Thema des Berichts. Die Befragten beurteilten sowohl die kurz- als auch die langfristige globale Perspektive negativ. 50% der Befragten erwarteten in den nächsten zwei Jahren turbulente oder stürmische Aussichten, die sich in den nächsten 10 Jahren auf 57% der Befragten verschlechterten, während nur 1% eine ruhige Zukunft erwartete.
Eine geoökonomische Konfrontation wurde als das Top-Risiko eingestuft, das im Jahr 2026 am wahrscheinlichsten eine “wesentliche globale Krise” auslösen wird, gefolgt von einem bewaffneten Konflikt auf zwischenstaatlicher Ebene. Dem Bericht zufolge wird das globale politische Umfeld in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich “eine multipolare oder fragmentierte Ordnung sein, in der Mittel- und Großmächte regionale Regeln und Normen anfechten, festlegen und durchsetzen”, wobei das Risiko einer “Multipolarität ohne Multilateralismus” zunehme.
Bei den technologischen Risiken ist ein starker Anstieg der bereits wahrgenommenen Auswirkungen zu verzeichnen. Fehlinformation und Desinformation rangieren in der kurzfristigen Prognose an zweiter Stelle, während die “negativen Folgen der KI” von Platz 30 in der Zwei-Jahres-Rangliste auf Platz fünf in der 10-Jahres-Prognose gestiegen sind. Der Bericht verweist auf das wachsende Potenzial von KI und Quantentechnologien, Gesellschaften sowohl zu nutzen als auch zu destabilisieren.
Umweltrisiken werden zwar langfristig immer noch als schwerwiegend angesehen, haben aber in diesem Bericht auf kurze Sicht an Bedeutung verloren. Im Zweijahresausblick sind extreme Wetterereignisse vom zweiten auf den vierten Platz zurückgefallen und der Verlust der biologischen Vielfalt ist um fünf Positionen gesunken. Trotzdem machen Umweltbedrohungen die Hälfte der zehn größten Risiken im 10-Jahres-Zeitraum aus.
Das WEF kommt zu dem Schluss, dass die zunehmende Polarisierung, das institutionelle Misstrauen und der geostrategische Wettbewerb die Grundlagen der globalen Zusammenarbeit aushöhlen. Der Bericht geht zwar nicht näher auf Lösungen ein, stellt aber fest, dass “die Zukunft nicht aus einem einzigen, festgelegten Weg besteht, sondern aus einer Reihe möglicher Pfade.”
