Dieser englischsprachige Bericht präsentiert die Ergebnisse der bisher größten globalen Umfrage über die öffentliche Meinung zur Einrichtung eines von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Weltparlaments zur Behandlung globaler Fragen. Die Umfrage, durchgeführt in 101 Ländern, die 90 % der Weltbevölkerung repräsentieren, ergab, dass 40 % der Befragten weltweit die Einrichtung eines Weltparlaments befürworten und nur 27 % dagegen sind.
Eine Analyse der Ergebnisse zeigt, dass diejenigen, die sich eher am Rande von Macht und Einfluss befinden, sei es auf nationaler oder globaler Ebene, die Idee eines Weltparlaments am ehesten unterstützen. Junge Menschen, Angehörige ethnischer Minderheiten, Stadtbewohnerinnen und -bewohner, Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen und mit geringer Bildung gehören zu den größten Befürwortenden. Während in 85 Ländern aller Regionen relative Mehrheiten für ein Weltparlament sind, ist die Zustimmung in den Ländern des globalen Südens und insbesondere in Afrika südlich der Sahara am höchsten.
Diejenigen, die eher an der Peripherie von Macht und Einfluss stehen, sind am ehesten für ein Weltparlament
Die Opposition ist bei denjenigen am stärksten, die in der gegenwärtigen Ordnung vermutlich oft eine sichere Position haben. Die wichtigsten Indikatoren für Opposition sind ein überdurchschnittliches Einkommen, die höchste Bildung und die Zugehörigkeit zur höchsten Altersgruppe, aber auch der Wohnsitz in ländlichen Gebieten. Die 16 Länder, in denen es eine Netto-Opposition gibt, sind allesamt Demokratien und meist einkommensstark. Auf der anderen Seite befinden sich unter den 30 Ländern mit der größten Nettounterstützung nur drei Länder, die als völlig frei gelten. Die Befragten in Ländern mit eingeschränkter Freiheit sehen ein Weltparlament möglicherweise als einen Faktor, der dazu beitragen kann, die Demokratie im eigenen Land und weltweit voranzubringen, während die Befragten in freien Ländern möglicherweise einen nachteiligen Einfluss befürchten.
Ein signifikanter Anteil von 33% der Befragten, oft die größte Gruppe in einzelnen Ländern, wählte die neutrale Antwort. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die vorgeschlagene Idee nicht ausreichend bekannt ist. Die Neutralität deutet auf einen weiten Raum der Offenheit und des möglichen Engagements hin. Sollte die Idee eines Weltparlaments im öffentlichen Diskurs stärker in den Vordergrund rücken, könnten sich die festgestellten Ansichten deutlich verschieben, so dass die vorliegenden Ergebnisse nur als Anhaltspunkte betrachtet werden sollten.
Der Vorschlag für ein Weltparlament ist nicht sehr bekannt, aber dort, wo sich die Befragten eine Meinung bilden, findet er in der großen Mehrheit der Länder mehr Unterstützung als Ablehnung. In den 16 Ländern, in denen die Ablehnung stärker ist, gibt es einen beträchtlichen Anteil an neutralen Befragten. In 11 dieser Länder ist der Anteil der Neutralen am größten. Unsere Ergebnisse deuten auf eine große Gruppe von Menschen hin, die für eine demokratische Vertretung jenseits des Nationalstaates offen sind, und auf eine öffentliche Bereitschaft zum Dialog über die Zukunft der globalen Ordnung.
